ZÄHNEKNIRSCHEN – BRUXISMUS Wenn das Gewicht einer ausgewachsenen Galapagos-Schildkröte auf unsere Zähne drückt!

ZÄHNEKNIRSCHEN – BRUXISMUS

Wenn das Gewicht einer ausgewachsenen Galapagos-Schildkröte auf unsere Zähne drückt!

20% der Deutschen sind von Bruxismus betroffen – ein Grund für uns, dieses Phänomen hier mal etwas näher zu beleuchten.

Nach Empfehlung eines internationalen Expertengremiums wird Bruxismus folgendermaßen definiert: „Bruxismus ist eine sich wiederholende Kaumuskelaktivität, die durch Knirschen oder Pressen auf den Zähnen und/oder durch Anspannung bzw. Pressen der Kiefer aufeinander gekennzeichnet ist.

Das Phänomen des Zähneknirschens war schon in der Bibel bekannt

Zähneknirschen wurde schon in der Bibel mit unangenehmen Schmerzen in Verbindung gebracht: „Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein“ ist ein Zitat aus dem Matthäusevangelium, welches von Jesus zur Beschreibung der Qualen der in die Hölle Verdammten diente.

 

Der Begriff Bruxismus stammt vom griechischen Wort bryg- mos: das Knirschen ab. Jede/r Fünfte in Deutschland ist davon betroffen. Bruxismus tritt am häufigsten im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt auf und nimmt mit zunehmendem Alter eher ab. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Neue Erkenntnisse haben das Wissen und die Einstellung zu Bruxismus in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Letztes Jahr wurden deshalb eine erste Deutsche Leitlinien zum Thema Bruxismus veröffentlicht, in der Behandlungs-möglichkeiten aufgeführt sind. (S3-Leitlinie (Leitlinienreport): Diagnostik und Behandlung von Bruxismus Mai 2019).

Leitlinien stellen eine Handlungsempfehlung für Ärzte dar.

Textfeld: DEFINITION LEITLINIEN Die "Leitlinien" der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sind systematisch entwickelte Hilfen für Ärzte zur Entscheidungsfindung in spezifischen Situationen. Sie beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und in der Praxis bewährten Verfahren und sorgen für mehr Sicherheit in der Medizin, sollen aber auch ökonomische Aspekte berücksichtigen. Die "Leitlinien" sind für Ärzte rechtlich nicht bindend und haben daher weder haftungsbegründende noch haftungsbefreiende Wirkung.

Zähneknirschen ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern beschreibt vielmehr ein Verhalten. Bruxismus kann jedoch ernsthafte negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Zähne, der Kaumuskulatur, der Kiefergelenke und sogar auf den ganzen Körper haben.


Man unterscheidet zwischen Schlafbruxismus (SB) und Wachbruxismus, (WB). Bis zu 300 kg Druck lastet beim Knirschen auf dem Zahn – das entspricht ungefähr dem Gewicht einer ausgewachsenen Galápagos-Riesenschildkröte oder dem eines grossen Klavieres – Zähneknirschen ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein schwerwiegendes Problem!

 

Die Crux: Viele Zähneknirscher merken es gar nicht.

Sehr häufig sind sich die Betroffenen insbesondere des Schlafbruxismus ihres eigenen Knirschens gar nicht bewusst und werden erst von außen (Partner oder Arbeitskollege) auf das unangenehme Knirschen mit den Zähnen aufmerksam gemacht. Umso wichtiger ist es also, die Symptome bei sich rechtzeitig zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren.

Mögliche Symptome

  • Kiefergeräusche
  • Zahnschmerzen
  • Schlafstörungen (Schlaf-Apnoe)
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus
  • Nackenverspannungen
  • Schmerzen im Gesicht
  • Ohrgeräusche
  • Rückenschmerzen
  • Kieferknacken
  • Eingeschränkte Kieferöffnung
  • Abgeriebene Zähne
  • Keilförmige Zahnhalsdefekte
  • Kieferschmerzen
  • Zahnbruch
  • Risse in den Zähnen
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Druckempfindlichkeit der Kiefergelenke

 

Ursachen

Bruxismus ist ein komplexes medizinisches Phänomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann.

Erkrankungen wie Insomnie, Schlafentzug, schlafbezogene Atmungsstörungen, neurologische Erkrankungen, Schädel-­Hirn­-Trauma sowie eine gestörte Kiefergelenkfunktion könnten ursächlich sein.

Weiterhin können psychologische Faktoren wie z.B. starke seelische und geistige Anspannung, körperlicher und emotionaler Stress, Depressionen oder Angstzustände, sowie anhaltender Lärm eine grosse Rolle spielen. Das Zähneknirschen hilft den Betroffenen, in der Zeit, in der das Bewusstsein ruht, diesen Stress zu verarbeiten.

Aber auch Medikamente wie Antidepressiva, Antikonvulsiva, Antipsychotika, Antihistaminika, Dopaminerge Medikamente, Kardioaktive Medikamente können Auslöser für das Zähneknirschen sein. Genussmittel wie Koffein, Nikotin oder Alkohol oder Drogen, wie Amphetamine, Kokain oder Ecstasy kommen als Ursache oder zumindest als Co-Faktoren in Frage.

Prothetische Mittel wie Kronen, Brücken oder Prothesen, die nicht perfekt angepasst sind, können ebenfalls eine mögliche Ursache für Bruxismus sein.

Ganzheitliche Behandlung ist empfehlenswert – Nicht nur die Zähne leiden!

Professorin Ingrid Peroz von der Charité in Berlin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und –therapie sagt: „Unter dem Knirschen und Pressen leiden mit der Zeit nicht nur die Zähne. Die Folgen, die es haben kann, sind Spuren auf den Zähnen, wie Schlifffacetten, Absprengungen der Zahnsubstanz, Zerstörungen von Füllungen, Zerstörungen von Kronen und Brücken und Prothesen – also es macht eigentlich vor keinem der Materialien Halt, die in der Mundhöhle sind. Doch das ist noch nicht alles: auch die Kau- und Kiefermuskeln werden übermäßig belastet durch das Reiben und Aufeinanderpressen der Zähne. Darüber hinaus kann es aber auch ein Risikofaktor dafür sein, dass die Patienten Kopfschmerzen bekommen, typischerweise der Schläfenkopfschmerz oder dass sie Probleme bekommen mit der Kaumuskulatur oder Schmerzen am Kiefergelenk oder Bewegungsstörungen am Kiefergelenk.“

Das Knirschen sollte also unbedingt behandelt werden. Eine Tiefendiagnose ist hierfür unerlässlich. Untersucht werden Zahn – und Kieferstellung und idealerweise gemeinsam mit einer Physiotherapeutin der ganze Körper. Zähneknirschen zeigt Wechselwirkungen auf Gelenke im ganzen Körper. Die Schmerzen können aus dem Nacken in die gesamte Halsmuskulatur – teilweise sogar in die Schulter, ausstrahlen, weil diese Bereiche eben muskulär und durch Nerven verbunden sind. Es kann dadurch zu schwerwiegenden Problemen in Körperregionen kommen, die man gar nicht erwarten würde

Therapie bzw. Management des Bruxismus

Die schlechte Nachricht ist: Bruxismus kann nicht geheilt werden!

Es müssen also die Symptome und idealerweise die Ursachen bekämpft werden. Man spricht daher ehr vom Management des Bruxismus. Zahlreiche Faktoren müssen dabei beachtet werden. Viele verschiedene Maßnahmen können die Folgeschäden verringern oder sogar ganz verhindern. In der oben bereits erwähnten veröffentlichten ersten Deutschen Leitlinie zum Thema Bruxismus sind die Behandlungsmöglichkeiten aufgeführt.

Im ersten Schritt sollten Zahnfehlstellungen oder schlechtsitzender Zahnersatz erkannt und korrigiert werden.

Eine schützende, von einem Profi optimal angepasste Schiene (also bitte keine aus dem Internet bestellen!) dient zur Schonung der Zähne. Darüber hinaus bewirkt sie, dass die Muskeln sich nachts beim Tragen dieser Schiene z.B. ausruhen und die Kiefergelenke entlastet werden können.

Entspannungsübungen sollen helfen, den Stress abzubauen. Weitere gezielte Übungen helfen, die Muskeln zu entspannen und die Haltung zu verbessern.

Ganz neu ist eine Therapie-Schiene, die nachts den Knirscher durch einen Brummton im Schlaf alarmieren soll. Man spricht in diesem Zusammenhang von der „Biofeedback-Methode“. Wenn solche Schienen gut angepasst sind und nicht zu sehr im Schlaf stören, können sie sehr hilfreich sein. Hierzu gibt es bereits erste Studien, die einen positiven Effekt versprechen.  Eine weitere Biofeedback-Methode nutzt ein kabelloses Gerät, welches für die Nacht auf der Schläfe platziert wird und mittels bedingter elektrischer Stimulation für ein kurzes Zeitintervall die Aktivität der Kaumuskulatur und damit die Knirsch- und Pressaktivität unterbrechen soll. Verschiedene Studien (z.B. diese) haben gezeigt, dass durch diese Behandlung innerhalb weniger Wochen Schlafbruxismus um mehr als 50 Prozent verringert werden konnte.

Eine neu entwickelte kostenlose App für Smartphone und Tablet erinnert mit zufälligen Signalen ans Lockerlassen. Eine andere App zeigt Übungen mit Videoanleitung zur Selbstbehandlung, wie der obere Halte- und Bewegungsapparat insbesondere die Kaumuskulatur, effektiv und zielgerichtet entspannt werden kann.

FAZIT

Wer den Verdacht hat, möglicherweise zur Gruppe der Zähneknirscher zu gehören, sollte dies unbedingt rechtzeitig mit dem Zahnarzt abklären – idealerweise mit einem ganzheitlich behandelnden Zahnarzt.


NHKT-TIPP: Wenn Sie weitere Fragen zu Bruxismus oder andere Themen der Zahnmedizin haben, sollten Sie sich unbedingt zu unserem nächsten Event am 24. Juni anmelden. Wir haben vier Experten eingeladen, die über verschiedenste Themen aus der Ganzheitlichen Zahnmedizin referieren werden.


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