Konzepte des “Fastens” sowie Indikationen / Kontraindikationen

Die klassische sogenannte Nulldiät, während welcher ausschließlich Tee oder Wasser getrunken und ein vollständiger Nahrungsmittelverzicht vorgegeben war, ist fast jedem geläufig.

Im 20. Jahrhundert etablierten sich nach und nach zahlreiche modernere Fastenkonzepte. Diese unterscheiden sich sowohl in der jeweiligen Höhe der Energieaufnahme, der Lebensmittel- als auch der Getränkeauswahl sowie der begleitenden Therapien.

Bei diesen wird in der Regel entweder die Proteinaufnahme oder der Kohlenhydratanteil der Nahrung modifiziert. Am bekanntesten sind die beiden Richtungen

  • das kohlenhydratmodifizierte Fasten nach Buchinger, das Saftfasten oder Suppenfasten, die Schrothkur oder
  • das proteinmodifizierte Fasten wie z.B. Molke-Trinkkuren oder Formuladiäten.

Beide Arten haben den Vorteil, dass der Körperproteinverbrauch während des Fastens reduziert wird. Zudem wird eine sogenannte Fastenazidose vermieden.

Nach allgemeiner Empfehlung der ÄGHE (Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e.V.) ist insbesondere das Heilfasten bei einer ganzen Reihe von Krankheitsbildern indiziert. Demnach zeigt es positive Wirkung bei:

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Chronisch-entzündlichen Erkrankungen
  • Kardiovaskulären Erkrankungen
  • Chronischen Schmerzsyndromen
  • Atopischen Erkrankungen
  • Psychosomatischen Störungen.

Darüber hinaus benennt die ÄGHE insgesamt sogar über 60 Krankheitsbilder, welche sich u.a. mit therapeutischem Fasten erfolgreich behandeln lassen. Auch verbessert das Fasten nicht allein die körperliche Gesundheit, sondern beeinflußt ebenfalls geistig-seelische Prozesse sowie die Wahrnehmung von Mitmenschen und Umwelt bei den Patienten.

Nicht indiziert ist das Fasten jedoch offiziell bei folgenden Krankheitsbildern:

  • Kachexie (z.B. Tumor- und AIDS-Erkrankungen),
  • Anorexia nervosa (Magersucht) und Untergewicht,
  • Dekompensierte Hyperthyreose,
  • Fortgeschrittene zerebro-vaskuläre Insuffizienz oder Demenz,
  • Fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz,
  • Schwangerschaft und Stillzeit.

Nur in enger Begleitung erfahrener Fastenärzte sollte Heilfasten zudem angewandt werden bei:

  • Psychosen,
  • Suchterkrankungen allgemein,
  • Netzhautablösung,
  • Diabetes mellitus Typ 1,
  • Fortgeschrittene koronare Herzerkrankung,
  • Ulcus ventriculi et/ut duodeni
  • Bösartige Tumorerkrankungen.

Zu den Voraussetzungen und der Durchführung einer Fastentherapie im nächsten Teil der Serie!

 

Andrea Ciro Chiappa

ist Diplom-Oecotrophologe und Leiter der Deutschen Fastenakademie, Website

Weiterführende Hintergründe lesen Sie bitte in diesem ausführlichen Artikel von AC Chiappa nach, auf welchen wir uns vorliegend inhaltlich beziehen:

Fasten: moderne Aspekte eines klassischen Naturheilverfahrens